Schwere Beine leichter machen
Nahrungsergänzung im Blick: Fluorid
Hairstylingprodukte im Ökotest
Potenzmittel können Augen schaden
Krätze auf dem Vormarsch
Pflanzliche Mittel für besseren Schlaf
Hustenstiller – gar nicht so ohne
Fehlbildungen durch Diabetesmittel?
Herzrisiko am Maßband ablesen
Tabuthema Harninkontinenz

Schwere Beine leichter machen

Tipps bei Venenschwäche

Schwere Beine, die nach längerem Stehen anschwellen oder schmerzen, Wadenkrämpfe, Spannungsgefühle oder Kribbeln im Unterschenkel: Dahinter steckt häufig eine Venenschwäche. In frühen Stadien lassen sich die Beschwerden gut mit Bewegung, Kompressionsstrümpfen und pflanzlichen Wirkstoffen aus der Apotheke lindern. Erst bei größeren Problemen ist die Venenchirurg*in gefragt.

Wenn das Blut nicht fließen kann

Die chronisch venöse Insuffizienz – auch Venenschwäche oder Venenleiden genannt – ist eine Erkrankung der tiefen Beinvenen. Das sind die Venen, die eingebettet in der Muskulatur liegen und das Blut zum Herzen transportieren. Bei einer Venenschwäche ist dieser Abfluss gestört, Ursache dafür sind meist Schädigungen der sogenannten Venenklappen.

Venenklappen muss man sich als kleine Ventile im Inneren der Venen vorstellen. Sie sorgen dafür, dass das Blut auf seinem Weg von „unten“ nach „oben“ nicht zurückfließt. Sind sie beschädigt oder abgenutzt, funktioniert dieser Rückfluss-Schutz nicht mehr – das Blut kann in Richtung Fuß absacken, anstatt Richtung Herz abzufließen. Mehr Blut in den unteren Venen heißt, dass sich der Druck dort erhöht. Der ständige Druck auf die Wand des Blutgefäßes führt dazu, dass die Gefäßwände durchlässiger werden und Blutbestandteile und Flüssigkeiten in das umliegende Gewebe austreten. Vor allem bei langem Stehen oder nach einem anstrengenden Tag wird der Unterschenkel dann dick, spannt und schmerzt.

Fließt das Blut nicht richtig ab, zeigt sich das auch an den Venen an der Körperoberfläche. Sie zeichnen sich verdickt und geschlängelt unter der Haut ab. Im frühen Stadium zeigen sich zunächst „nur“ Besenreiser und Krampfadern. Weil sich auf Dauer aber auch winzige Blutgerinnsel bilden, ist die Durchblutung erschwert. Die Haut wird dann nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Im weiteren Verlauf entstehen durch die Minderversorgung dann typische Hautveränderungen bis hin zu Ekzemen und Geschwüren.

Warum Venen schlapp machen

Die Ursachen für die chronisch venöse Insuffizienz sind vielfältig. Schon die normalen altersbedingten Veränderungen führen dazu, dass die Venen und ihre Wände schwächer werden. Manche Menschen haben auch eine genetisch veranlagte Bindegewebsschwäche, weshalb ihre Venenklappen und Venen früher „schlapp“ machen. Die Hormonumstellung in der Schwangerschaft begünstigt die Entwicklung einer Veneninsuffizienz ebenso wie Übergewicht, Rauchen oder eine unausgewogene Ernährung.

Besonders schädlich für die Venen ist eine vorwiegend sitzende Lebensweise. Auch langes Stehen im Beruf und Bewegungsmangel setzen den Venen zu. Der Grund ist, dass dann die sogenannte „Muskelpumpe“ nicht arbeitet. Die tiefen Beinvenen sind nämlich von der Beinmuskulatur umgeben. Bei Bewegung ziehen sich die Muskeln wie eine Pumpe in kurzen Abständen zusammen und entspannen sich. Auch die Venen werden dabei zusammengedrückt und das Blut Richtung Herz gepresst.

Hinweis: Hinter Spannungsgefühlen, Schmerzen, Schwellungen und Juckreiz in den Beinen stecken nicht immer eine Venenschwäche. Deshalb sollte man bei diesen Beschwerden unbedingt eine Ärzt*in aufsuchen, damit diese z. B. eine periphere arterielle Verschlusskrankheit, eine Nerven-, Nieren- oder Herzerkrankung ausschließt.

Venengesunde Lebensweise

Die Behandlung der Venenschwäche richtet sich nach dem Ausmaß der Beschwerden. Sind Füße und Unterschenkel nur gelegentlich abends leicht angeschwollen, hilft manchmal schon eine venengesunde Lebensweise. Das beinhaltet:

  • Flache Schuhe tragen, weil hohe Absätze die Arbeit der Muskelpumpe behindern.
  • Mehr Bewegung in den Alltag einbauen, z. B. Treppen laufen anstatt die Rolltreppe oder den Aufzug zu benutzen, mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zur Arbeit fahren. Während langer Auto- oder Bahnfahrten spätestens alle zwei Stunden eine Bewegungspause einlegen.
  • Öfter mal die Beine hochlagern, um den Rückfluss des Blutes zu erleichtern. Beim Sitzen sollte der Winkel zwischen Körper und Oberschenkel mehr als 90° betragen. Zwischendurch immer mal wieder Zehen und Füße bewegen.
  • Regelmäßig kalte Beingüsse, Kaltwaschungen oder Wassertreten durchführen, um die Durchblutung zu fördern.
  • Einschnürende Kleidung vermeiden.
  • Nicht mit übereinander geschlagenen Beinen sitzen.
  • Sport treiben! Ausdauersportarten wie Schwimmen, Wandern, Nordic Walking, Radfahren und Tanzen sind dabei besser geeignet als Kraftsport.
  • Warme Wannen- und Sonnenbäder meiden, weil diese Wärme die Gefäße zusätzlich erweitet.
  • Gesund ernähren. Alkohol erweitert die Gefäße, Nikotin fördert Thrombosen. Beides ist schlecht für die Venen.

Tipp: Besonders hilfreich ist es, spezielle Venengymnastik zu machen. Zehen rhythmisch anheben, auf die Fußspitzen stellen und der Storchengang sind gute Übungen. Es gibt auch anschauliche Angebote im Internet. Sie finden sich unter dem Stichwort „Venengymnastik“ online und auch auf YouTube.

Kranken Venen von außen Druck machen

Oft reichen diese Basismaßnahmen nicht aus, um die Beschwerden zu lindern. Dann ist es Zeit für die Kompressionstherapie. Dabei wird den Venen von außen mit speziellen Strümpfen Druck gemacht. Weil die Strümpfe die Venen zusammenpressen, können die Gefäßwände durch den Staudruck von innen nicht aussacken und das Blut fließt leichter ab.

Es gibt die Strümpfe in verschiedenen Ausführungen vom Wadenstrumpf bis zur Strumpfhose und in vier verschiedenen Kompressionsklassen. Strumpfart und -länge werden von der Ärzt*in bestimmt und verschrieben. Die Kompressionsklasse richtet sich nach dem klinischen Befund, z. B. wie ausgeprägt die Ödeme (Schwellungen) und die Hautveränderungen sind.

Kompressionsstrümpfe sind ausgesprochen wirkungsvoll – allerdings nur, wenn sie konsequent getragen werden. Das heißt: von morgens nach dem Aufstehen bis zum Zubettgehen sowie zu jeder Jahreszeit, also auch, wenn es draußen warm ist. Doch nicht einmal jeder Zweite, der eine Kompressionstherapie benötigt, trägt seine „Gummistrümpfe“. Oft liegt das daran, dass schon das Anziehen problematisch ist. Hier helfen folgende Tipps:

  • Das Anziehen eines Kompressionsstrumpfes muss man sich genau zeigen lassen. Gute Anleitungsvideos gibt es auch im Internet, Stichwort „Kompressionsstrümpfe“.
  • Manche Frauen erleichtern sich das Anziehen, indem sie unter dem Strumpf einen Nylonstrumpf tragen.
  • Spezielle Textil- oder Gummihandschuhe verbessern den Griff und damit sowohl das Anziehen als auch das Verteilen des speziellen Strumpfgewebes.
  • Dehngestelle und -systeme sind ebenfalls eine Hilfe beim Anziehen. Diverse Hersteller bieten diese an. Auch platzsparende Gleithilfen wie Rollmanschetten oder Gleitsocken sind zum Anziehen von Gummistrümpfen entwickelt worden.
  • Wenn das Anziehen gar nicht funktioniert, kann die Ärzt*in auch zwei Strümpfe niedrigerer Kompressionsklasse verschreiben, die dann übereinander angezogen werden.

Vor allem im Sommer ist vielen Betroffenen das Tragen von Kompressionsstrümpfen unangenehm. Auch hier lässt sich abhelfen:

  • Strümpfe mit offener Fußspitze sind bei warmen Temperaturen angenehmer.
  • Die im Kompressionsstrumpf verpackten Beine lassen sich gut mit speziellen Kühlsprays aus der Apotheke oder einfach mit kaltem Wasser abkühlen.
  • Es gibt auch Kühlgels, die vor dem Anziehen der Strümpfe auf das Bein aufgetragen werden.

Hinweis: Vorsicht mit normalen fett- und ölhaltigen Pflegeprodukten an Füßen und Beinen. Sie führen nach dem Auftragen oft zum Rutschen der Kompressionsstrümpfe. Zur Pflege der strapazierten Haut sind spezielle Cremes, Lotionen und Schäume in der Apotheke erhältlich.

Gefäße von innen abdichten?

Als begleitende Therapie empfehlen Venenexpert*innen auch Medikamente. Die Präparate enthalten meist Flavonoide, Aescin, Rutoside oder Ruscogenine, die z. B. aus rotem Weinlaub, Rosskastaniensamen, Beeren des Mäusedorns oder Blättern des gelben Schnurbaums stammen. Diese Pflanzeninhaltsstoffe sollen Leckagen („kleine Löcher“) der Venen von innen abdichten. Sie verhindern zwar nicht, dass die chronisch venöse Insuffizienz sich weiter verschlechtert. Sie können aber die Beschwerden wie Spannungsgefühl, Ödeme und Schwere in den Beinen bessern.Man braucht dafür allerdings etwas Geduld: Bis die pflanzlichen Mittel ihre Wirkung entfalten, dauert es etwa drei bis fünf Wochen.

Bei der Therapie mit pflanzlichen Medikamenten ist die Beratung durch die Ärzt*in oder Apotheker*in wichtig. Es sollten nur Präparate eingenommen werden, die behördlich zugelassen und deren Inhaltsstoffe in klinischen Studien geprüft worden sind.

Hinweis: Oft werden zur Behandlung schwacher Venen auch Salben mit Extrakten aus Rosskastanie & Co. empfohlen. Als kühlende Gele mögen sie eine gewisse Linderung entfalten. Für eine abdichtende Wirkung auf die Venenwände liegen jedoch keine Daten aus klinischen, zeitgemäßen Studien vor.

Hier muss die Chirurg*in ran

In ausgeprägten Fällen muss eine chronische Veneninsuffizienz chirurgisch behandelt werden. Dafür gibt es verschiedene Verfahren. Allen Eingriffen liegt die Idee zu Grunde, die beschädigten Venen aus dem Blutkreislauf zu entfernen.

Bei der Verödung spritzt die Ärzt*in ein flüssiges Verödungsmittel oder Schaum in die erweiterte Vene. Dadurch wird eine Entzündung hervorgerufen, und die Venenwände verkleben und verschließen sich. Die Vene wird nicht mehr durchblutet. Auch Hitze verschließt durch Entzündung und Verklebung erweiterte Venen. Sie kommt bei der Laser- und der Radiofrequenztherapie zum Einsatz. Ein weiteres Verfahren ist das Venenstripping. Dabei entfernt die Ärzt*in erweiterte Venen ganz oder teilweise – je nach Befund.

Es gibt auch venenerhaltende Operationsverfahren. Man kann zum Beispiel eine Kunststoffmanschette so um eine erweiterte Vene legen, dass ihre Klappe wieder schließt. Solche Operationen werden allerdings in Deutschland eher selten durchgeführt.

Ebenfalls chirurgisch eingreifen muss man, wenn die durch die chronische Insuffizienz entstandenen Hautgeschwüre nicht mehr abheilen. Hier gibt es verschiedene Techniken, die geschädigten Hautpartien zu entfernen und mit einem Stück Haut aus dem Oberschenkel des Patienten wieder abzudecken.

Quellen: Bruhn C, DAZ 2017, 22: S 32, Schlenger R, DAZ 2019, 12: S 46

Author: Dr. med. Sonja Kempinski; Bildrechte: Fineart1/shutterstock.com


Nahrungsergänzung im Blick: Fluorid

Sinn oder Unsinn?

Lange galt Fluorid als Garant für gesunde, schöne Zähne. Doch in den letzten Jahren ist der Mineralstoff in Verruf geraten. Der Vorwurf: Fluorid reichert sich im Körper an und schaden so Zähnen und Knochen.

Wirkung von Fluorid bewiesen

Seit vielen Jahren sind sich Expert*innen einig: Fluorid stärkt den Zahnschmelz und schützt vor Karies - einer Erkrankung, bei der schmerzhafte Löcher in den Zähnen entstehen. Fluorid kommt allerdings nur nur in geringen Mengen in Lebensmitteln oder dem Trinkwasser vor. Deshalb empfehlen Zahnärzt*innen die Aufnahme von mit Fluorid angereicherten Produkten. Das Angebot ist groß: Am bekanntesten ist wohl die fluoridierte Zahnpasta. Aber auch Tabletten mit Fluorid und fluoridiertes Speisesalz sind erhältlich.

Nicht auf die leichte Schulter nehmen

Doch fluoridierte Produkte sind nicht ungefährlich. Denn eine zu hohe Fluorid-Aufnahme führt zu Fluorosen - einer vermehrten Einlagerung von Fluorid in die Zähne und Knochen. Bei einer Zahnfluorose sind die Fluorid-Einlagerungen als weiße Flecken an der Zahnoberfläche zu erkennen. Nicht sichtbar ist jedoch eine weitere Folge der Einlagerungen: Bei Kindern sind die Zähne weniger stabil und brechen schneller. Bei den Knochen sind auch Erwachsene bei einer Fluorose gefährdet. Im schlimmsten Fall drohen bei einer Skelettfluorose Knochenbrüche, Knochenverformungen und steife Gelenke.

Mengen beachten

Noch ist nicht geklärt, wieviel Fluorid optimal ist. Dennoch empfiehlt die Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)  je nach Fluorid-Gehalt im Trinkwasser fluoridiertes Speisesalz oder Fluorid-Tabletten als Ergänzung zur Nahrung. Allerdings nicht uneingeschränkt: Da die Berechnung des täglichen Fluorid-Bedarf sehr kompliziert ist, sollte man  vor der Einnahme von Fluorid-Tabletten unbedingt die Hausärzt*in befragen. Diese kann am besten einschätzen, ob das zusätzliche Fluorid sinnvoll ist.

Besondere Vorsicht ist bei Kindern und Säuglingen geboten, denn sie sind besonders anfällig für eine Zahnfluorose. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt deshalb, nicht mehrere Fluorid-Präparate zu mischen. Für Säuglinge am besten geeignet sind Tabletten. Sobald aber mit dem Zähneputzen begonnen wird, sollten die Kleinen besser auf die Tabletten verzichten und stattdessen zur fluoridierte Zahnpasta wechseln. Genaue Empfehlungen über den Fluorid-Gehalt der Zahnpasta und die notwendige Menge hat die Bundeszahnärztekammer in einer Grafik veranschaulicht.

Quellen: Deutsche Apotheker Zeitung; Elmadfa und Leitzmann: Ernährung des Menschen, utb, 2019; Bundesinstitut für Risikobewertung; Deutsche Gesellschaft für Ernährung; Bundeszahnärztekammer; Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit; Ökotest

Author: Marie Schläfer; Bildrechte: Oleksandra Naumenko/Shutterstock.com


Hairstylingprodukte im Ökotest

Mit Schadstoffen und Plastik

Wer gerne Haarwachs oder Haargel benutzt, verteilt damit oft eine Menge Problemstoffe auf dem Kopf. Ein gutes Drittel der geprüften Stylingprodukte stuft Ökotest wegen schädlicher Inhalte als mangelhaft oder ungenügend ein.

Hairstyling ist weiter voll im Trend

Ob akkurat gegelt, strubbelig gestylt oder fesch modelliert: Mit Haarstylingprodukten lassen sich Frisuren nach jedem Geschmack zaubern. Und das scheint sowohl bei Männern als auch bei Frauen weiterhin im Trend zu liegen. Inzwischen gibt es eine Vielzahl verschiedener Produkte zu kaufen. Entsprechend sind auch die Umsätze in diesem Marktbereich hoch, schreiben die Tester*innen von Ökotest.

Sie haben 51 Haarstylingprodukte in puncto Schadstoffe unter die Lupe genommen. Darunter befanden sich 32 Haargele mit starkem Halte-Versprechen und 19 Haarpasten, Wachse, Frisiercremes und Pomaden. Neun dieser Produkte waren zertifizierte Naturkosmetika.

Ein gutes Drittel durchgefallen

Das Ergebnis ist durchwachsen: Immerhin 19 Haarwachse- oder -gele wurden als „gut“ oder „sehr gut“ eingestuft. Empfehlenswert mit der Note „sehr gut“ schnitten beispielsweise das Alterra Volumen Styling-Gel Bio-Papaya von Rossmann, das Alverde Styling-Gel (Härtegrad 4) von dm und die Naturkosmetika Bioturm Styling Gel und Sante Styling Gel Natural Former ab. Ein gutes Drittel fiel dagegen mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch. Die einzelnen Testergebnisse aller Haarstylingprodukte kann man (kostenpflichtig) bei Ökotest herunterladen.

Von Öl bis Plastik

Grund für ein mangelhaftes Abschneiden waren vor allem die in den Produkten nachgewiesenen Problem- oder Schadstoffe. Da kam einiges zusammen:

  • Konservierungsstoffe wie Formaldehayd und Formaldehydspaltprodukte. Diese Substanzen können Kontaktallergien auslösen und die Schleimhäute reizen. Auch andere Konservierungsstoffe wurden gefunden: Chlorphenesin irritiert die Haut, Butylhydroxytoluol wird verdächtigt, den Schilddrüsenhormonhaushalt zu stören. Auch das dem Östrogen strukturell ähnliche Propylparaben soll im Organismus eine hormonelle Wirkung haben.
  • Mineralöle befinden sich als Paraffine häufig in Produkten mit höherem Fettanteil. Oft sind diese Paraffine außerdem mit aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen verunreinigt, die zum Teil als krebserregend gelten.
  • Plastik steckt als flüssiger Kunststoff in vielen Stylingprodukten. Es sorgt für Halt und Standfestigkeit der Haare. Ohne diese Zugabe sind „brettharte Looks“ nicht drin. Das Flüssigplastik ist höchstbedenklich, weil es mit der Haarwäsche in die Umwelt gelangt und über die Weltmeere und deren Bewohner wieder in den menschlichen Organismus. Ob und wie schädlich es für den Menschen ist, ist noch unklar.

Quelle: Ökotest

Author: Dr. med. Sonja Kempinski; Bildrechte: Syda Productions/shutterstock.com


Potenzmittel können Augen schaden

Bei regelmäßiger Einnahme

Unterstützt von Viagra & Co. können viele Männer trotz Erektionsstörungen ein erfülltes Sexleben genießen. Bei regelmäßiger Einnahme drohen jedoch Komplikationen im Auge. Tauchen Sehstörungen auf, steht deshalb eine augenärztliche Untersuchung an.

Durchblutungsstörungen des Sehnerven

Immer mehr Männer mit Erektionsstörungen helfen ihrer Potenz mit Phosphodiesterasehemmern wie Sildenafil (z. B. Viagra®) oder Tadalafil (Cialis®) auf die Sprünge. Nur bei bestimmten Kontraindikationen sollen die Wirkstoffe nicht genutzt werden. Dazu gehören schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder die gleichzeitige Einnahme von Nitraten. Ansonsten gelten die Phosphodiesterase-Hemmer (PDE) in der Regel als gut verträglich.

Es gibt jedoch Hinweise, dass sie in seltenen Fällen zu einer ischämischen Optikusatrophie, also zu Durchblutungsstörungen des Sehnerven führen. Dadurch kann sich die Sehkraft auf dem betroffenen Auge deutlich verschlechtern. Ein kanadisches Team hat nun geprüft, wie häufig es zu einer Optikusatrophie kommt und ob vielleicht auch andere Komplikationen am Auge drohen.

Akuter Sehverlust durch Gefäßverschluss

Und tatsächlich: Männer, die regelmäßig zu PDE-Hemmern greifen, erkranken doppelt so oft an einer Optikusatrophie wie Männer, die solche Potenzmittel nicht nutzten. Dieses Ergebnis war unabhängig davon, ob die Männer an anderen, Sehnerv-gefährlichen Erkrankungen wie Arteriosklerose oder Bluthochdruck litten.

Auch zwei weitere Augenkomplikationen traten bei den Anwendern häufiger auf. Zum einen handelte es sich dabei um den Verschluss großer Netzhautgefäße. Dadurch drohen akute, in einigen Fällen aber auch sich über Wochen und Monate schleichend entwickelnde Sehverschlechterungen. Die andere Komplikation war eine Netzhautablösung. Sie führt zu einer Verzerrung, später auch zu einer dauerhaften Einschränkung des Sehens.

Bei Sehstörungen zur Augenärzt*in

Die Risiken für die genannten Augenkomplikationen sind durch die regelmäßige Einnahme von PDE-Hemmern zwar erhöht, insgesamt aber zum Glück selten, betonen Expert*innen. Trotzdem ist es für Ärzt*innen und Männer wichtig, die Gefahr zu kennen. Nutzer von PDE-Hemmern dürfen eventuelle Sehstörungen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Kommt es dazu, sollte der Betroffene das Mittel erst einmal nicht mehr verwenden und sich augenärztlich untersuchen lassen.

Quelle: Ärzteblatt

Author: Dr. med. Sonja Kempinski; Bildrechte: sebra/shutterstock.comsebra/shutterstock.com


Krätze auf dem Vormarsch

Das ist bei der Therapie zu beachten

Immer mehr Menschen in Deutschland erkranken an Krätze. Besonders in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Altersheimen oder Obdachlosenasylen verbreiten sich Krätzemilben. Zudem verheimlichen Betroffene häufig ihre Beschwerden, gehen erst spät zur Ärzt*in – und stecken in der Zwischenzeit viele Mitmenschen an.

Gänge in der obersten Hautschicht

Die einen halben Millimeter großen Krätzemilben graben tunnelförmige Gänge in die oberste Hautschicht, wo sie sich einrichten und etwa 4 bis 8 Wochen lang ihre Eier legen. Sieht man genau hin, sind Bläschen und kommaförmige Gänge zwischen Fingern und Zehen, in der Analfalte, an der Leiste oder am Knöchel erkennbar. Besonders die Ausscheidungen der Milben entzünden dabei die Haut. Vor allem nachts führt diese Entzündung zu heftigem Juckreiz.

Lokale Therapie, aber bitte richtig

Da sich die Milben nur in der obersten Hautschicht befinden, reicht meist eine lokale Behandlung mit Lotionen oder Cremes mit dem Wirkstoff Permethrin. Es ist auch für Säuglinge ab einem Alter von 2 Monaten anwendbar. Damit die Behandlung gelingt, sind einige Punkte zu beachten:

  • Die Fingernägel sind gründlich zu reinigen und zu kürzen, da sich darunter Milben befinden können.
  • Das Mittel ist abends vor dem Schlafengehen vom Hals abwärts bis zu den Zehen lückenlos auf die Haut aufzutragen. Bei Kindern sollte ein Elternteil das Eincremen übernehmen – und dabei Einmalhandschuhe anziehen, um sich nicht selbst anzustecken. Bei Säuglingen und Kleinkindern befallen Krätzmilben auch die Kopfhaut – diese ist bei Ihnen also mit zu behandeln.
  • Das Mittel sollte mindestens die ganze Nacht einwirken. Wäscht man sich zwischendurch die Hände, sollten diese sofort wieder eingecremt werden.
  • Kuscheln und enger Körperkontakt ist erst 36 Stunden nach der Behandlung wieder erlaubt.
  • Enge Kontaktpersonen sollten zeitgleich mitbehandelt werden.
  • Textilien, Bettwäsche und Kuscheltier sind bei mindestens 50 Grad zu waschen oder in einem geschlossenen Plastiksack für 72 Stunden aufzubewahren.
  • Bis der Juckreiz nach der Behandlung wieder abklingt, dauert es noch einige Wochen. Solange ist es gut, die Haut immer wieder zu untersuchen, um mögliche neue Gänge sofort zu entdecken.

Schnell mit der Behandlung beginnen

Krätzemilben kommen in den besten Kreisen vor – eine Übertragung ist bei jedem engen Körperkontakt möglich – also immer. Daher ist es wichtig, rasch zur Ärzt*in zu gehen, und am selben Abend mit der Behandlung zu beginnen. Nur so kann eine Ausbreitung erfolgreich verhindert werden.

Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung, Ausgabe Nr. 23, 06.06.2019

Author: Rita Wenczel; Bildrechte: DonyaHHI/Shutterstock.com


Pflanzliche Mittel für besseren Schlaf

Was wirklich hilft

Nachts wachliegen, tagsüber im Halbschlaf dämmern – bei Schlaflosigkeit leidet die Lebensqualität oft erheblich. Abhilfe versprechen neben synthetischen Schlafmitteln, wie zum Beispiel den sogenannten Z-Substanzen, auch viele pflanzliche Produkte. Doch wirken diese auch?

Alles nur Placebo?

Ob ein Medikament wirkt oder nicht, entscheidet oft nicht nur der enthaltene Wirkstoff. Eine große Rolle spielt auch der Placebo-Effekt, also die Erwartung, die Patient*innen an ein Medikament haben. In dieser Hinsicht unterscheiden sich pflanzliche von synthetisch hergestellten Schlafmitteln weniger als gedacht. Eine neue Studie zeigte, dass die schlaffördernde Wirkung auch bei synthetischen Mitteln bis zu 60 Prozent auf dem Placebo-Effekt beruht. Aber: Nur zwei pflanzliche Wirkstoffe konnten bisher in Studien zeigen, dass sie eine Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus haben, nämlich Baldrian-Trockenextrakt und Baldrian-Trockenextrakt mit Hopfenzapfen-Trockenextrakt.

Auf die Zusammensetzung kommt es an

Hinzu kommt, dass Baldrian nicht gleich Baldrian ist. Die wissenschaftliche Wirknachweise gelten nur für Baldrianpräparate in einer bestimmten Zusammensetzung – so wie sie beispielsweise in Abtei Baldrian forte®, Baldurat® und Sedonium® enthalten sind. Im Zweifel hilft eine Nachfrage in der Apotheke weiter. Für die Kombination mit Hopfenzapfen-Trockenextrakt gelten ähnlich genaue Vorgaben: Diese Präparate sollten nicht mehr als 500 mg Baldrian und zwischen 28 und 70 mg Hopfenzapfen enthalten. Alle Mittel werden bestenfalls eine bis eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen eingenommen. Eine sofortige Wirkung sollten sich Schlaflose aber nicht erhoffen. Denn der schlaffördernde Effekt steigert sich langsam und entfaltet sich erst nach 2 bis 4 Wochen komplett.

Was gibt es noch?

Für alle anderen pflanzlichen Mittel am Markt fehlen bisher eindeutige Wirknachweise. Über Umwege helfen aber noch

  •  Lavendelöl, das angstlösend ist und deswegen manchen Betroffenen das Schlafen erleichtert und

  • Johanniskraut, das antidepressiv wirkt und deswegen bei an Depressionen Erkrankten manchmal die Schlafqualität verbessert.

Übrigens: Auch für die im Trend liegenden Cannabis-Produkte fehlen bisher Studien, die eine schlaffördernde Wirkung beweisen.

Quellen: Deutsche Apotheker Zeitung 13/21, Huedo-Medina et al.: Effectiveness of non-benzodiazepine hypnotics in treatment of adult insomnia: meta-analysis of data submitted to the Food and Drug Administration



Author: Sara Steer; Bildrechte: fizkes/Shutterstock.com


Hustenstiller – gar nicht so ohne

Vor der Einnahme gut informieren

Trockener Husten kann quälend sein – vor allem, wenn er den Nachtschlaf stört. Hustenstiller versprechen dann Linderung. Aber auch wenn viele Präparate frei verkäuflich sind, ist bei der Einnahme einiges zu beachten.

Produktiver versus trockener Husten

Husten ist durchaus nützlich – er sorgt dafür, dass Staub, Fremdkörper oder Erreger aus den Atemwegen befördert werden. Der sogenannte „produktive“ Husten ist zudem dafür zuständig, dass Schleim aus den Atemwegen abgehustet wird. Anders ist das bei trockenem Husten. Er entsteht oft, weil die Atemwege gereizt und dadurch hochempfindlich sind. Häufig flankiert er eine Atemwegserkrankung: Der Husten ist trocken, bis der Schleim in den Atemwegen sich zu lösen beginnt und sich abhusten lässt. Sind die Atemwege wieder frei von Schleim, geht der Husten wieder in seine trockene Form über.

Besser die Ärzt*in oder Apotheker*in fragen

Beim produktiven Husten macht der Einsatz von Hustenstillern meist keinen Sinn: Schleim und Krankheitspartikel sollen ja abgehustet werden. Bei trockenem Husten spricht in vielen Fällen hingegen nichts gegen Hustenstiller.

Es gibt aber auch Umstände, unter denen man besser mit der Ärzt*in oder Apotheker*in Rücksprache hält. Dazu zählen unter anderem:

  • Kinder unter 2 Jahre: Bei Kleinkindern sollte man Husten immer ärztlich abklären lassen, bevor man zu Hustenstillern greift. So ist es ausgeschlossen, dass man behandlungsbedürftige Erkrankungen wie Pseudokrupp übersieht. Weil Kleinkinder oft Fremdkörper verschlucken, wird die Ärzt*in auch immer prüfen, ob die Atemwege frei sind.
  • Anhaltender Husten über 2 Wochen: Hartnäckiger Husten ist immer ein Fall für die Ärzt*in, um ernstere Erkrankungen auszuschließen.
  • Begleitsymptome wie Fieber, starke Schmerzen oder Atemnot: Solche Beschwerden weisen auf Krankheiten hin, die eine Ärzt*in behandeln sollte. Betroffene nehmen den Husten dann besser ernst, anstatt ihn einfach auszuschalten.
  • Asthma: Nicht alle Hustenstiller eignen sich für Asthmatiker*innen, weil sie Einfluss auf die Atmung nehmen können.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Die Einnahme von Hustenstillern wirkt sich unter Umständen auch auf das Kind aus. Zum Beispiel kann der Wirkstoff Dextromethorphan (Wick Husten-Sirup, Silomat DMP Lutschpastillen) die Atmung des gestillten Säuglings hemmen.
  • Einnahme anderer Medikamente: Hier sind gefährliche Wechselwirkungen möglich, etwa das Serotonin-Syndrom bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter Antidepressiva oder dem Wirkstoff Dextromethorphan.


Was die Leitlinie sagt

Wissenschaftlich erwiesen ist die Wirkung von Hustenstillern übrigens nicht – das sagt zumindest die aktuelle Leitlinie zu akutem und chronischem Husten.  Sie empfiehlt stattdessen, viel zu trinken und die Atemluft anzufeuchten.

Quelle: pta heute, 08/22

Author: Sara Steer; Bildrechte: stockfour/Shutterstock.com


Fehlbildungen durch Diabetesmittel?

Nur Jungs betroffen

Die Einnahme von Tabletten gegen Diabetes könnte einer aktuellen Studie zufolge die Fehlbildungsrate bei Jungen erhöhen. Allerdings nur, wenn der Vater die Diabetesmedikamente in den letzten drei Monaten vor der Zeugung einnimmt.

Veränderungen am Genitale

Manche Arzneimittel führen zu Geburtsfehlern beim Nachwuchs. Dabei ist es nicht nur gefährlich, wenn die Mutter diese Medikamente einnimmt. Auch Arzneimittel, die der werdende Vater vor der Zeugung schluckt, können dem Ungeborenen schaden.

Dänische Forscher*innen haben nun herausgefunden, dass womöglich Diabetesmedikamente riskant sind. Sie untersuchten die Daten von 1,1 Million Neugeborenen und Eltern. Das Ergebnis: Hatte der Vater in den drei Monaten vor der Zeugung den Wirkstoff Metformin eingenommen, erhöhte sich das Risiko für Geburtsfehler um das Dreifache. Die Vergleichsgruppe waren Kinder, deren Väter dieses Medikament nicht eingenommen hatten. Betroffen waren dabei nur die Jungen, wobei sich die meisten Fehlbildungen in ihrem Genitalbereich befanden. Geschwister, die der Vater zu einer Metformin-freien Zeit gezeugt hatte, waren ohne Geburtsdefekte.

Insulin war ohne Einfluss

In dieser Untersuchung steigerte auch das Diabetesmittel Sulfonylharnstoff das Fehlbildungsrisiko. Eine antidiabetische Behandlung mit Insulin hatte dagegen keinen Einfluss auf die Rate an Geburtsfehlern.

Metformin hat womöglich einen Einfluss auf die Entwicklung der Spermien. Im Tierexperiment führte der Wirkstoff zu gestörten Stammzellen im Rattenhoden. Noch ist unklar, ob sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, meint Prof. Dr. Wolfgang Rathmann vom Deutschen Diabetes Zentrum der Leibniz Universität Düsseldorf.

Noch kein Grund zu Therapieänderung

Anhand dieser einen Studie die Therapieempfehlung zu ändern, hält der Experte für verfrüht. Sollten sich die Ergebnisse allerdings durch andere Untersuchungen bestätigen, wäre bei Vätern mit Diabetes und Kinderwunsch die Insulinbehandlung eine Alternative.

Quelle: Ärzteblatt

Author: Dr. med. Sonja Kempinski; Bildrechte: Addictive Stock/imago-images.de


Herzrisiko am Maßband ablesen

Taille spricht Bände

Zu viele Pfunde auf den Rippen schaden der Gesundheit. Um das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen genauer zu beziffern, reicht ein einfaches Maßband.

Auch bei normalem BMI kann das Risiko erhöht sein

Übergewicht erhöht das Risiko für zahlreiche Erkrankungen. Dazu gehören Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Fettleber sowie die Arteriosklerose samt Herzinfarkt und Schlaganfall. Ein wichtiges Maß zur Berechnung von Übergewicht und Adipositas (krankhaftes, behandlungsbedürftiges Übergewicht) ist der Body Mass Index (BMI). Er spiegelt das Körpergewicht eines Menschen im Verhältnis zu seiner Größe wider und wird mit einer Formel berechnet. Bei Werten über 25 gilt ein Erwachsener als übergewichtig, bei über 30 als adipös. Erhöhte BMI-Werte sind – grob gesagt –mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko verbunden.

Doch auch Menschen mit einem normalen BMI können ein gesteigertes Herz-Kreislauf-Risiko haben. Das liegt daran, dass nicht nur Größe und Gewicht, sondern auch die Verteilung des Körperfetts eine Rolle spielt. Sitzt es am Bauch, ist es besonders problematisch. Deshalb empfehlen Expert*innen zur Bestimmung des gewichtsbedingten Risikos ein zusätzliches Maß: Das Taillen-Größen-Verhältnis (TGV).

TGV soll unter 0,5 liegen

Das TGV lässt sich mit Hilfe eines Maßbands einfach bestimmen. Gemessen wird die Taille nach normalem Ausatmen, und zwar in der Mitte zwischen dem letzten Rippenbogen und der Oberkante der Hüfte. Ist ein Mensch bei einer Taillenweite von 80 cm 1,70 cm groß, beträgt das TGV 0,47 (0,8 geteilt durch 1,7). Unter 0,5 ist alles im grünen Bereich. Ab einem Wert über 0,5 hat man ein erhöhtes Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sollte sich diesbezüglich von seiner Ärzt*in beraten lassen.

Quelle: Springer Medizin

Author: Dr. med. Sonja Kempinski; Bildrechte: Andrey Popov/shutterstock.com


Tabuthema Harninkontinenz

Peinliche Momente müssen nicht sein

Viele Frauen im mittleren und höheren Alter leiden unter unkontrolliertem Urinverlust, doch kaum eine spricht mit ihrer Ärztin über das Thema. Möglichkeiten zu Vorbeugung und Behandlung der Inkontinenz zeigt der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) auf.

Jede dritte ältere Frau betroffen – und kaum eine redet darüber

Zum Thema Harninkontinenz veröffentlichte das Robert Koch-Institut zusammen mit dem Statistischen Bundesamt einen Gesundheitsbericht mit alarmierenden Zahlen: Mehr als jede 10. Frau im Alter zwischen 40 und 49 Jahren leidet unter unfreiwilligem Urinverlust, zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr ist jede 4. Frau betroffen und über 80 Jahren jede 3.

„Mehr als die Hälfte der Frauen, die inkontinent sind, hat jedoch noch nie darüber mit ihrem Frauenarzt gesprochen,“ betont Christian Albring, Präsident des BVF. „Häufig finden sich gerade bei älteren Damen chronische Harnwegsinfektionen, die mit einem Antibiotikum, gegebenenfalls unterstützt durch eine lokale Hormonbehandlung, sehr gut behandelt werden können. Oder es findet sich eine Schwäche des Beckenbodens, die einer ärztlichen Behandlung zugänglich ist.“

Vorbeugen ist die beste Medizin

Einfache Maßnahmen wie Muskeltraining oder eine Physiotherapie reichen oft schon aus, die Beschwerden zu lindern. Positiv auf einen funktionierenden Verschluss der Harnröhre wirkt sich auch eine Gewichtsreduktion aus. Denn ein schwerer Bauch drückt auf die Blase - ist die bereits geschwächt, kommt es zur Inkontinenz. Wer seinen Beckenboden kräftigen will, setzt am besten auf Sport. Besonders nach einer Schwangerschaft ist die Beckenbodengymnastik wichtig, denn bei einer Geburt leiden die Muskeln besonders.

Das weibliche Sexualhormon Östrogen regeneriert die Schleimhautschichten von Vagina und Harnröhre. Sinkt der Hormonspiegel, wird die Schleimhaut der Harnröhre dünner. Albring erläutert: „Deshalb kann es passieren, dass die Harnröhre nicht mehr […] dicht abschließt". In diesem Fall hilft oft eine örtliche Behandlung mit einer Hormoncreme. Inkontinenzhöschen sieht der Frauenarzt als eine der letzten Möglichkeiten. Doch auch mit Einlagen ist ein normales Leben möglich. Moderne Einlagen absorbieren Flüssigkeit und Gerüche zuverlässig. Viele Frauen können sich die teure Produkte jedoch nicht dauerhaft leisten. Auch in diesem Fall lohnt sich ein Gespräch mit der Frauenärzt*in: Sie kann die Produkte auf einem Heilmittelrezept verordnen. 

Quelle: BVF

Author: Simone Lang; Bildrechte: ANN PATCHANAN/Shutterstock.com

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